„… und Wissen wird lebendig“ – Rhetorik trifft Wissenschaft, die Jugend präsentiert auch!
Ein Bericht von Anna Jodeleit
Lampenfieber, defekte Technik, „All Eyes on You“, UND es wird bewertet?! Präsentationen müssen wohl eines der verhasstesten Projekte und Klausurformen an der Schule sein … Wer würde sowas denn freiwillig machen, und was ist Jugend präsentiert überhaupt für ein Wettbewerb?
Jugend präsentiert ist eine Bildungsinitiative mit dem Ziel, die Präsentationskompetenz von Schüler*innen zu fördern, und man kann ab der 7. Klasse an dem Wettbewerb teilnehmen. Das Thema der Präsentation ist dabei völlig dir überlassen, es soll aber eine naturwissenschaftlich-mathematische Leitfrage beantworten. Ob allein oder im 2er-Team – beides ist möglich!
Für das Landesfinale musst du deine vorherige Präsentation (5:30 Minuten) auf 6 Minuten verlängern, du kannst aber ansonsten das Thema weiterverwenden.
Für die Qualifikation zum Länderfinale reichst du zunächst ein Video deiner Präsentation beim Videowettbewerb ein. Alternativ kannst du dich auch über einen Schulwettbewerb qualifizieren. Im gesamten Wettbewerb bewertet eine Jury, die aus Rhetorikexpert*innen, Lehrkräften, Ehemaligen des Wettbewerbs sowie Wissenschaftler*innen besteht.
„Bei Jugend präsentiert lernen Schülerinnen und Schüler, komplexe wissenschaftliche Inhalte verständlich zu präsentieren und ihre rhetorischen Fähigkeiten zu stärken. Das ist eine wertvolle Kompetenz, die weit über die Schulzeit hinaus relevant bleibt“, sagt Christian Kleinert, Geschäftsführer von Jugend präsentiert.
Meine Präsentation hatte die Leitfrage „Wie funktionieren Feuerwerke?“, und im WPU-Kurs „Fit im Präsentieren“ habe ich diese mehrmals geübt, bevor ich mich schließlich für das Landesfinale qualifiziert habe.
Freitag, 24. April: Es war so weit. Das zweitägige Landesfinale Hessen von Jugend präsentiert begann, und ich durfte für unsere Schule antreten.
Zunächst fuhr ich also mittags nach Frankfurt, wo ich von den „Fellows & Friends“, den Ehemaligen des Wettbewerbs, herzlich empfangen wurde und mit einem Mittagessen in der Kantine der Jugendherberge in den ersten Tag startete. Es folgten einige Kennenlernspiele und die Trainer*innen erklärten uns, den ca. 60 Teilnehmenden, den Ablauf der nächsten zwei gemeinsamen Tage.
Um 15:30 brachen wir zum Rahmenprogramm des Wettbewerbs auf – man musste im Vorhinein zwischen einer Führung im Senckenberg Museum, einem Besuch des Mitmach-Museums EXPERIMINTA und einem Schmetterling-Workshop im Palmengarten entscheiden – und ich begab mich mit einer Gruppe anderer Schüler*innen zum EXPERIMINTA, wo wir uns unterhielten und selbst experimentieren durften. Im Bus dorthin und zurück herrschte eine sehr angenehme Stimmung und unser Präsentationsthema war immer ein super Gesprächseinstieg!
Am Abend folgte dann das Abendessen (optimalerweise mit einigen neuen Freunden), und danach die „Präsentations-Docs“, bei dem wir in kleinen Gruppen Fragen über den folgenden Wettbewerbstag stellen konnten und die Trainer*innen uns über den Ablauf, die Details und die Technik – das war fast immer die größte Sorge – beruhigende Antworten gab. Meine Zimmergenossinnen und ich entschieden uns dafür, uns gegenseitig unsere Präsentationen noch ein letztes Mal vorzustellen, weshalb wir alle den Spieleabend ausließen. Um 22:00 war Nachtruhe angesagt.
Samstag, 25. April: Der Wettbewerbstag war angesagt!
Nach einem gemeinsamen Frühstück fuhren wir zur Ricarda-Huch-Schule in Dreieich, wo der Wettbewerb stattfand. Wir wurden dort begrüßt von der Landeskoordinatorin Lena Kunkel und dann begann ein ca. dreistündiges Präsentationstraining, ein Seminar zu verschiedenen Präsentationstechniken und natürlich auch Beruhigungsmethoden – wir waren alle aufgeregt, schließlich mussten wir bald präsentieren.
Danach gab es Mittagessen in der Schulkantine, die meine Zimmergenossinnen und ich übersprungen haben, um noch ein wenig zu üben (nicht empfohlen). Für Technik war an der Schule gesorgt: Einige Ehemalige waren als Technik-Helfer zuständig und man konnte sie jederzeit rufen.
Und um 13:00 gingen die langersehnten Präsentationen los! Im Präsentationsraum bekam ich ein paar Minuten Zeit, um meine Technik einzurichten, dann begrüßte mich die Jury und erklärte nochmal die drei Kriterien:
Sachkenntnis: Bei Jugend präsentiert steht die Wissensvermittlung im Mittelpunkt. Meine Präsentation sollte eine klare Fragestellung haben, überzeugend argumentieren und natürlich sachlich korrekt sein.
Darstellungsvermögen: Jugend präsentiert verbindet MINT mit Rhetorik, der Redekunst. Meine Präsentation sollte also in Abschnitten gegliedert sein, ich sollte klar und deutlich sprechen und Mimik sowie Gestik verwenden, um mein Thema darzustellen.
Adressat*innenorientierung: Die Präsentation sollte auf mein Publikum zugeschnitten sein. Das bedeutet, dass ich das Thema meinen Mitschüler*innen vorstelle und deren Vorwissen beachten muss.
Nach meiner sechsminütigen Präsentation über Feuerwerke tauschte sich die Jury kurz aus, gab mir ein kurzes Feedback und damit war der anstrengendste Teil auch zu Ende. Mit einigen neuen Freund*innen setzte ich mich in den Vorbereitungsraum, wir entspannten uns und diskutierten über unsere Themen.
Um ca. 15:00 Uhr begann die Abschlussveranstaltung mit verschiedenen Reden, Keynotes und zwischendurch Musik des Streicher-Ensembles der Schule. Prof. Dr.-Ing. Yvonne Späck-Leigsnering vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der Technischen Universität Darmstadt bereicherte uns mit Einblicken in ihre wissenschaftliche Arbeit.
Auch Brigitte Hirschler vom Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen hielt eine kurze Rede. Sie betonte: „Die Teilnehmenden zeigen in bemerkenswerter Weise, wie sich anspruchsvolle Themen klar, präzise und zugleich anschaulich präsentieren lassen.“
Und zum Schluss der Veranstaltung war es endlich Zeit: Die Landesfinalist*innen wurden gekürt, und ich darf als Teil der 21 Finalist*innen aus Hessen in das Bundesfinale in Berlin einziehen! Bundesweit sowie an Deutschen Auslandsschulen hatten sich in diesem Jahr über 9.500 Schüler*innen am Wettbewerb beteiligt, rund 430 von ihnen erreichten ein Länderfinale.

Die Landesfinalist*innen gewinnen die Teilnahme an der Präsentationsakademie, einem mehrtägigen Präsentationstraining mit professionellen Rhetoriktrainerinnen und -trainern von der Forschungsstelle Präsentationskompetenz der Universität Tübingen – meine Freund*innen darf ich also bald wiedersehen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die zwei Tage waren unfassbar schön und ich habe sehr viele neue Gesichter kennengelernt, die genauso an MINT und Rhetorik interessiert sind.
Ob für das Bundesfinale qualifiziert oder nicht, wir alle sind mit mehr Erfahrung und besonderen Erinnerungen nach Hause gegangen, und das ist, was zählt.
Anna Jodeleit
(Ganz viel Liebe an F., O. und L., die ich bei der Präsentationsakademie wiedersehen darf, und meine wundervollen Zimmergenossinnen L.R. und M.!)
